Indikation zu psychotherapeutischen und psychosozialen Maßnahmen im Rahmen stationärer medizinischer Rehabilitation

Förderrahmen: Förderschwerpunkt Rehabilitationswissenschaften des BMBF und des VDR

Verbund:Freiburg/Bad Säckingen

Projektleiter: Dr. Rüdiger Nübling (GfQG, früher eqs-Institut Karlsruhe), Prof. Dr. Dr. Jürgen Bengel (Universität Freiburg, Institut für Psychologie, Abteilung für Rehabilitationspsychologie)

Projektleiter-EMail: nuebling@gfqg.de, bengel@psychologie.uni-freiburg.de

Mitarbeiter: Jana Jastrebow, Kerstin Hafen

Laufzeit: 01.09.1998 - 31.12.2001

Indikationen: Kardiologie, Orthopädie/Rheumatologie, Psychosomatik

Themen: Motivation, Reha-Bedarf

Hintergrund

Psychische und soziale Faktoren spielen in der Rehabilitation chronisch körperlicher Erkrankungen eine wichtige Rolle für Verlauf und Ergebnis. Die gegenwärtige Praxis - die Psychosomatik ausgenommen - bleibt in der Regel hinter diesem konzeptionellen Anspruch zurück. Aufgrund mangelnder diagnostischer Maßnahmen (z. B. Routine-Screening) werden psychosoziale Beeinträchtigungen häufig nicht erkannt und entsprechend nicht im Behandlungsplan berücksichtigt.

Ziele und Fragestellungen

Die zentrale Fragestellung des Projekts bezieht sich auf die Erfassung des Ausmaßes an psychischer und sozialer Beeinträchtigung und damit der Abschätzung des sich daraus ergebenden Bedarfs an entsprechenden psychosozialen Behandlungsmöglichkeiten unter Einbeziehung der Psychotherapie- und Reha-Motivation. Darüber hinaus wird die Bedeutung dieser beiden Aspekte (Bedarf und Motivation) für die tatsächliche Inanspruchnahme sowie für die längerfristigen Behandlungsergebnisse verfolgt.

Studiendesign

Korrelativ-naturalistische Vergleichsstudie in den Indikationsbereichen Orthopädie, Kardiologie und Psychosomatik mit den Messzeitpunkten Aufnahme, Entlassung und 1-Jahres-Katamnese. Datenbasis: Selbst- und Fremdeinschätzungen anhand gebräuchlicher Screening-Instrumente (HADS, SCL, IRES) sowie Rating-Skalen (n=964). Direkte und indirekte Veränderungsmaße zur Dokumentation der Behandlungsergebnisse.

Ergebnisse

Ein zentrales Ergebnis ist, dass ein hoher Anteil (30-45%) beider somatischer Indikationsbereiche psychisch beeinträchtigt ist. Psychische Beeinträchtigung sowie die Rehabilitationsmotivation, für die spezifisch ein generisches Diagnoseinstrument (PAREMO) entwickelt wurde, konnten als bedeutsame Einflussfaktoren auf Verlauf und Ergebnis der Rehabilitation bestätigt werden. Die Erweiterung bzw. Ausdifferenzierung eines fundierten psychologischen bzw. psychotherapeutischen Behandlungsangebotes, sowie ein Schulungsangebot für das therapeutische Personal zu psychosozialen Problemlagen der Patienten kann demnach in den somatischen Indikationsbereichen ebenfalls zu einer Verbesserung der rehabilitativen Versorgung beitragen.

Publikationen

Hafen, K., Bengel, J. & Nübling, R. (2006). Der Patientenfragebogen zur Erfassung der Reha-Motivation PAREMO. In Nübling, R., Muthny, F. & Bengel, J. (Hrsg.), Reha-Motivation und Behandlungserwartung (S. 141-160). Bern, Huber.

Hafen, K., Jastrebow, J., Nübling, R. & Bengel, J. (2001). Entwicklung eines Patientenfragebogens zur Erfassung der Reha-Motivation (PAREMO). Die Rehabilitation, 40, 3-11.

Jastrebow, J., Hafen, K., Bengel, J., Schmidt, J. & Nübling, R (2002). Psychische Beeinträchtigung in der stationären orthopädischen Rehabilitation - Ausprägung und Veränderung im Behandlungsverlauf. In K.-P. Schirmer, K. Bernardy & G. Glettler (Hrsg.), Interdisziplinäre Therapie chronischer Schmerzssyndrome der Bewegungsorgane: Wunsch und Wirklichkeit (S. 37-52). Selbstverlag Stiftung Psychosomatik der Wirbelsäule, Saarbrücken.

Jastrebow, J., Waßmer, M., Hafen, K., Bengel, J., Schmidt, J. & Nübling, R. (2002): Ängstlichkeit und Depressivität in der medizinischen Rehabilitation. Indikatoren psychische Belastungen bei kardiologischen, orthopädischen und psychosomatischen Patienten. Zeitschrift für Psychologie, Psychiatrie und Psychotherapie, 195-206.

Kriz, D., Wirtz, M., Herwig, J., Töns, N., Hafen, K., Nübling, R & Bengel, J. (2006). Weiterentwicklung und Normierung des PAREMO. In Nübling, R., Muthny, F. & Bengel, J. (Hrsg.), Reha-Motivation und Behandlungserwartung (S. 161-178). Bern, Huber.

Nübling, R., Hafen, K., Jastrebow, J., Körner, M., Löschmann, C., Rundel, M., Schmidt, J., Wirtz, M. & Bengel, J. (2004). Indikation zu psychotherapeutischen und psychosozialen Maßnahmen im Rahmen stationärer medizinischer Rehabilitation. Regensburg: Roderer.

Nübling, R., Hafen, K., Jastrebow, J., Schmidt, J. & Bengel, J. (2000). Indikation zu psychotherapeutischen und psychosozialen Maßnahmen in der stationären Rehabilitation. In J. Bengel & W.H. Jäckel (Hrsg.), Zielorientierung in der Rehabilitation (S. 95-106). Regensburg: Roderer.

Nübling, R., Jastrebow, J., Hafen, K., Bengel, J., Rauch, B. & Staedt, U. (2001): Psychische Belastung in der kardiologischen Rehabilitation. In: Rauch, B. & Held, K. (Hrsg.), Der schwerkranke und multimorbide Patient. Darmstadt, Steinkopff, 238-241.

Nübling, R., Löschmann, C., Hafen, K., Jastrebow, J., Rundel, M., Wirtz, M. & Bengel, J. (2006). Indication for psychotherapeutic and psychosocial treatment in german medical rehabilitation. In: Jäckel, W.H., Bengel, J. & Herdt, J.: Research in Rehabilitation - Results from of a Research Network in Southwest Germany (p. 84-102). Stuttgart, Schattauer.

Nübling, R., Muthny, F. A. & Bengel, J. (Hrsg.) (2006). Reha-Motivation und Behandlungserwartung. Bern, Huber.

Nübling, R., Muthny, F.A. & Bengel, J. (2006): Die Bedeutung von Reha-Motivation und Behandlungserwartung für die Praxis der medizinischen Rehabilitation. In Nübling, R., Muthny, F. & Bengel, J. (Hrsg.), Reha-Motivation und Behandlungserwartung (S. 15-37). Bern, Huber.

Abschlussbericht zum Download

Indika_Abschlussbericht_2002.pdf (49,5 KiB)