Mitarbeiterbefragungen 2002/2004 in 15 Einrichtungen eines privaten Pflegeheim-
trägers

Finanzierung: privater Träger von Pflegeeinrichtungen

Projektleiter: Dr. David Kriz, Dr. Rüdiger Nübling (GfQG)

Projektleiter-E-Mail: kriz@gfqg.de, nuebling@gfqg.de

Laufzeit: Frühjahr 2002 und 2004

Themen: Mitarbeiterbefragung, Qualitätsmanagement, Benchmarking

Hintergrund

Mitarbeiter stellen eine zentrale Ressource in Dienstleistungsunternehmen und damit eine der wichtigsten Grundlagen für langfristigen Erfolg dar. Ein Unternehmen kann durch Art und Umfang seiner Mitarbeiterorientierung, durch die Mitarbeiterführung und die Schaffung einer entsprechenden Unternehmenskultur entscheidenden Einfluss auf die Zufriedenheit des einzelnen Mitarbeiters mit seinen Arbeitsbedingungen nehmen. Eine strukturierte, professionell konstruierte und durchgeführte Mitarbeiterbefragung liefert in diesem Kontext wichtige Rahmeninformationen.

Ziele und Fragestellungen

Vorrangiges Ziel war es, ein aktuelles Stimmungsbild der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen den Einrichtungen zu erhalten sowie ein Vergleich zwischen den Einrichtungen vorzunehmen zu können. Durch ein sich an die Befragung anschließendes Nachhaltigkeits- und Umsetzungskonzept sollten darüber hinaus das Vertrauen der Mitarbeiter in derartige Befragungen gestärkt sowie aus den Ergebnissen ableitbare Verbesserungen gewährleiet werden.

Studiendesign/Methodik

Der für das Pilotprojekt verwendete Mitarbeiterfragebogen-Altenpflege (MFB-A) wurde vom eqs.-Institut speziell für stationäre Altenpflegeeinrichtungen konzipiert. Der aus standardisierten sowie offenen Fragen bestehende Fragebogen umfasst 16 Seiten mit 187 Einzelfragen. Kern des Fragebogens sind 14 Dimensionen, welche wesentliche strukturelle, prozessuale und ergebnisorientierte Merkmale einer Arbeitsstätte im Altenpflegesektor kennzeichnen:

  • Allgemeine Rahmenbedingungen zur Tätigkeit
  • Berufliche Weiterentwicklung
  • Technische Rahmenbedingungen und Arbeitssicherheit
  • Arbeitsmotivation
  • Arbeitsbelastungen
  • Kommunikation und Zusammenarbeit im Team
  • Information
  • Arbeitsorganisation
  • Vorgesetztenbeurteilung
  • Bezahlung und Sozialleistungen
  • Allgemeine Fragen zur Einrichtung
  • Identifikation mit der Einrichtung
  • Identifikation mit dem Unternehmen
  • Zusammenfassende Einschätzungen

 

Anregungen zum Fragebogen-Entwurf seitens der Teilnehmer der Informationsveranstaltung sowie seitens der Unternehmensleitung wurden bei der Entwicklung berücksichtigt. Alle Fragen/Aussagen sind anhand einer 5- bzw. meist 6-stufigen Beurteilungs-Skala zu bewerten, wobei 1 in der Regel die positivste Bewertung und 5 bzw. 6 den negativen Pol darstellt. Dabei werden Werte von 2,5 als „kritischer Schwellenwert“ und Werte von 3,0 und schlechter als Indikator für „Qualitätsprobleme“ interpretiert. Werte zwischen 2,5 und 3,0 werden dabei als „Grenzbereich“ bezeichnet.

Die Skalen wurden skalen- und itemanalytisch überprüft. Bei der Visualisierung wurden einfach verständliche, farblich abgestufte Balkendiagramme sowie Aufmerksamkeitsmarker verwendet.

Ergebnisse

Insgesamt wurden in den 15 Einrichtungen in zwei Wellen ca. 800 Mitarbeiter befragt. Die Rücklaufquote betrug ca. 45% (Range: 16-59%). Die Reliabilitäten der Einzelskalen erweisen sich als befriedigend bis sehr gut (Cronbach‘s Alpha von .61 bis .96). Die Ergebnisse waren in weiten Teilen positiv, es ergaben sich aber auch deutliche Unterscheide zwischen und innerhalb der erfassten Bereiche sowie zwischen den Einrichtungen. Positiv bewertet wurden u.a. das unmittelbare Arbeitsumfeld im Sinne einer hohen Zufriedenheit bzgl. Zusammenarbeit mit Kollegen bzw. im Team und die gute Arbeitsatmosphäre. Es zeigten sich auch die bei Pflegekräften häufig bestehenden hohen Ideale, z.B. Kranken zu helfen, Kontakt mit anderen Menschen, selbständiges Arbeiten. Insgesamt zeigte sich eine hohe Identifikation mit der Arbeit und mit jeweiligen Einrichtung sowie insgesamt gutes Verhältnis zu direktem Vorgesetztem. Kritisch wurde von den Mitarbeitern die oft erlebte mangelnde Wertschätzung durch das Management des Trägers, Informationsdefizite bzgl. Unternehmenszielen, -strategie und -politik, die aus ihrer Sicht schlechte Bezahlung/Sozial- u. Zusatzleistungen und die ungünstige Überstunden- u. Freizeitregelung bewertet. Insgesamt waren die Mitarbeiter durchschnittlich wenig mit dem Träger der Einrichtung identifiziert und hatten ein eher geringes Vertrauen in die Unternehmensleitung.

Die Ergebnisse wurden intern auf allen Ebenen besprochen. Im Rahmen des Umsetzungskonzeptes wurden die einrichtungsspezifische Ergebnisse mit den Mitarbeitern und der Einrichtungsleitungen vor Ort sowie auch mit dem Unternehmensmanagement diskutiert.

Publikationen

Kriz, D., Nübling, R., Steffanowski, A., Schmidt, J. (2008). Mitarbeiterbefragung. Die Chance, Wissen zu nutzen. Internetpublikation.