Reha-QM-Outcome Studie II (Requamo II)

Entwicklung eines Reha-Outcome-Index als Element der Belegungssteuerung und Instrument eines qualitätsorientierten Benchmarkings für die stationäre Rehabilitation

Förderrahmen: Kooperationsprojekt mit der Sozial- und Arbeitsmedizinische Akademie Baden-Württemberg e.V. (SAMA Stuttgart; Projektträger), dem Institut für Rehabilitationsmedizinische Forschung an der Universität Ulm (Ulm/Bad Buchau), dem Qualitätsverbund Gesundheit Baden-Württemberg (QVG), dem Verband Norddeutscher Rehabilitationskliniken (VNR), den DRVen Baden-Württemberg, Braunschweig-Hannover und Nordbayern sowie 41 Rehabilitationskliniken

Finanzierung: Deutsche Rentenversicherungen Baden-Württemberg, Braunschweig-Hannover und Nordbayern sowie Eigenanteile der teilnehmenden Kliniken

Projektgruppe / Lenkungskreis: Prof. Dr. Edwin Toepler (SAMA/Hochschule Bonn-Rhein-Sieg), Dr. Rainer Kaluscha, Dr. Silke Jankowiak, Prof. Dr. Gert Krischak (IFR Ulm/Bad Buchau), Dr. Rüdiger Nübling, Dr. Udo Kaiser, Dr. Jürgen Schmidt (GfQG Karlsruhe), Heike Martin, Kristin Repert-Ristow (DRV BW), Dr. Katharina Roth, Melanie Müller (DRV Nordbayern), Dr. Philipp Köster (DRV BSH), Olaf Werner (QVG), Dr. Norbert Hemken (VNR)

Projektgruppen-E-Mail: toepler@samanet.de, nuebling@gfqg.de, kaiser@gfqg.de, schmidt@gfqg.de (stellvertretend für die Projektgruppe)

Laufzeit: 01.01.2018 – 31.12.2020

 

Hintergrund

Die ständige Weiterentwicklung der Rehabilitation ist eine gemeinsame Aufgabe aller Akteure im Rehabilitationssystem. Dafür sind Maßstäbe notwendig, die eine sachgerechte Bewertung von Rehabilitationsergebnissen ermöglichen und auch für eine faire und qualitätsorientierte Belegungssteuerung genutzt werden können. In dieser Studie sollen daher entsprechende Bewertungsverfahren (Outcome-Index) entwickelt und erprobt werden, die Rehabilitationseinrichtungen und Rehabilitationsträger gleichermaßen in ihrem Qualitätsmanagement bzw. ihrer Qualitätssicherung nutzen können. Während andere Verfahren eher ihren Schwerpunkt in der Messung der Struktur- und Prozessqualität haben, steht in dieser Studie die Ergebnisqualität im Zentrum der Betrachtung. Mit den folgenden Informationen möchten wir Mitarbeitenden und interessierten Rehabilitanden der teilnehmenden Reha-Einrichtungen einen Überblick über die Studie geben.

Fragestellung / Untersuchungsziele

Mit dem Projekt soll die Frage beantwortet werden, ob es sinnvoll ist, den Reha-Outcome vergleichend als Bewertungsinstrument für Reha-Einrichtungen einzusetzen und inwieweit er in das interne Qualitätsmanagement der Kliniken integriert werden kann. Dies umfasst sowohl die Ermittlung der von den Rehabilitanden berichteten Wirksamkeit (Patient Reportet Outcome) sowie auch die Wiedereingliederung in das Arbeitsleben (Return to Work). Die Vorgängerstudie Requamo I (siehe Literatur) hat deutliche Hinweise für einen positiven Einfluss der Rehabilitation auf die Wiedereingliederung ergeben, konnte jedoch den Einfluss des Arbeitsmarktes nicht genauer ermitteln. Dies erfordert eine breitere Basis von Versicherten und Kliniken aus heterogenen Arbeitsmärkten und unterschiedlichen Bundesländern, was durch das Projekt Requamo II mit der Einbeziehung von Versicherten/Reha-Einrichtungen aus unterschiedlichen Regionen mit den jeweiligen DRV-Regionalträgern realisiert wurde. Folgende übergeordneten Ziele werden mit dem Projekt verfolgt:

  • mehrdimensionale Abbildung des Outcomes der Reha-Maßnahmen, Zusammenführung und vergleichende Betrachtung unterschiedlicher Ergebnisdimensionen (Outcome-Index)
  • Ermittlung von Indikatoren für faire Klinikvergleiche
  • Vorschlag für Einbindung in die DRV-Qualitätssicherung und Belegungssteuerung
  • Abbildung und Ermittlung von Prädiktoren regionaler Unterschiede in den Reha-Outcomes
  • Ermittlung des Returns on Investment (ROI) der Reha-Maßnahmen
  • Identifizierung von „Beispielen guter Praxis“, Nutzung i.S.e. „Von-Einander-Lernens“

Die Studie soll dazu beitragen, die gesundheitsökonomische Bedeutung der medizinischen Rehabilitation für die Beschäftigungssicherung deutlich zu machen. Während in verschiedenen Studien bereits Modellschätzungen für den Return on Investment (ROI) der Rehabilitationsbehandlungen vor allem auf der Basis von Sekundäranalysen vorgelegt wurden, soll hier die Wirksamkeit mit konkreten Beitragsdaten belegt werden.

Studientyp / Studiendesign

Es wurden Rehabilitanden aufgenommen, die im 1. Halbjahr 2017 in den beteiligten 41 Kliniken behandelt wurden. Die Methodik der Studie ist analog der Requamo-I-Studie und integriert drei Datenebenen:

  • Versichertenbefragung: katamnestische Rehabilitandenbefragung ein Jahr nach Behandlungsende (Ein-Punkt-Erhebung mit retrospektiver Prä-Messung). Das Assessment umfasst v.a. Parameter des Rehabilitationserfolgs (u.a. Veränderung Risikofaktoren, Lebensqualität, psychische Komorbidität, subjektive Arbeitsfähigkeit, Return to Work) sowie Rehabilitandenzufriedenheit
  • Daten der Rentenversicherung (Rehabilitations-Statistik-Datenbank): parallel dazu werden für 2014-2020 die RSD-Daten (u.a. Sozialversicherungs-Beitragszahlungen, Informationen zum Rentengeschehen, Erwerbsstatus, Diagnosen) herangezogen, die anonymisiert und unter Beachtung des Datenschutzes (Pseudonymisierung) mit den Befragungsdaten zusammengeführt werden
  • Qualitätskennzahlen der beteiligten Kliniken: neben Struktur- und Ergebniskennzahlen (Ergebnisse des externen QS-Programms der DRV, interne Befragungen) werden auch Aspekte des Qualitätsmanagements (z.B. Jahr der Implementierung von QM, Art und Umfang der QM-Strukturen etc.) der Kliniken einbezogen

Stichprobe

Abgeschlossene Medizinische Rehabilitation im ersten Halbjahr 2017, Erwerbspersonen (erwerbstätig und arbeitslos); Indikationen: Orthopädie, Kardiologie, Psychosomatik, Onkologie, Pneumologie. Insgesamt wurden ca. 15.800 Rehabilitanden einbezogen, ca. 8.200 haben sich an der katamnestischen Befragung beteiligt (Rücklauf ca. 53%).

Bildung eines multiplen „Outcome-Index“

Der „Outcome-Index“ basiert auf multiplen Ergebniskriterien der Outcome bzw. die Ergebnisqualität, die in einer Zusammenschau betrachtet werden (Mehrdimensionalität). Dabei werden die unterschiedlichen Einzelinformationen bewertet, ggf. gewichtet und zu einem Gesamtwert zusammengefasst (Indexbildung). Es lassen sich u.a. die in Tab. 2 gelisteten Parameter für eine Indexbildung heranziehen.

Tabelle 2: Exemplarische Outcomemerkmale (Indikatoren) für eine Indexbildung

RSDOs PROs
Gewichtete Anzahl Beschäftigungsmonate Nutzenbewertung
Sozialversicherungspflichtiges Einkommen gesundheitsbezogene Veränderungen
Tage mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung Patientenzufriedenheit
Inanspruchnahme von LTA subjektive Leistungsfähigkeit
Berentungsquoten (BU- bzw. EM-Rente) selbstberichteter Erwerbsstatus (RTW-Quote)

Legende: RSDOs = Outcomeparameter auf der Basis von RSD-Daten; PROs = patient reported outcomes; RTW = Return to Work; LTA = Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Nutzen/Verwendungsmöglichkeit

Die Studie leistet einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Rehabilitation. Die berufliche (Re-)Inte­gration wird für die Qualitätssicherung in den Mittelpunkt gestellt und ergänzt die existierenden QS-Instrumente, die ihren Schwerpunkt in der Erfassung der Struktur- und Prozessqualität haben. Der Reha-Nutzen kann stärker bei Zuweisung/Belegung berücksichtigt werden (Klinikauswahl, outcome-orientierte Belegung, Vergütung). Die Abschätzung des Returns on Investment (ROI) ist durch die sehr große Stichprobenbasis deutlich belastbarer. Die Studie wird erstmals auch Hinweise liefern, ob sich hinsichtlich der gesundheitsökonomischen Bedeutung der stationären medizinischen Rehabilitation Unterschiede zwischen Regionen ergeben.

Literatur

Nübling, R., Kaluscha, R., Holstiege, J. Krischak, G., Kriz, D., Müller, G., Martin, H., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Wichmann, B., Kaiser, U. & Toepler, E. (2015). Analyse des Behandlungserfolgs in der Medizinischen Rehabilitation - Konsequenzen für das interne Qualitätsmanagement. „Reha-QM-Outcome-Studie“ des Qualitätsverbundes Gesundheit und der DRV Baden-Württemberg. Abschlussbericht, März 2015. Download unter http://www.qualitaetsverbund-gesundheit.de/

Nübling, R., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Holstiege, J., Martin, H., Müller, G., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Kaiser, U., & Toepler, E. (2015). Die „Reha-QM-Outcome-Studie“ des Qualitätsverbundes Gesundheit und der DRV Baden-Württemberg – Methodik und ausgewählte Ergebnisse. Prävention und Rehabilitation, 27, 77-94.

Nübling, R., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Martin, H., Müller, G., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Kaiser, U., & Toepler, E. (2016). Return to Work nach stationärer Rehabilitation – Varianten der Berechnung auf der Basis von Patientenangaben und Validierung anhand Sozialversicherungs-Beitragszahlungen. Physikalische Medizin, Rehabilitationsmedizin, Kurortmedizin, 26, 293-302.

Nübling, R., Kaluscha, R., Krischak, G., Kriz, D., Martin, H., Müller, G., Renzland, J., Reuss-Borst, M., Schmidt, J., Kaiser, U., & Toepler, E. (2017). Ergebnisqualität medizinischer Rehabilitation: Zum Zusammenhang zwischen „Patient Reported Outcomes“ (PROs) und geleisteten Sozialversicherungsbeiträgen. Rehabilitation 56, 22-30.

Kaiser, U., Toepler, E., Renzland, J., Kaluscha, R., Kriz, D., Schmidt, J. & Nübling, R. (2018): Zur Qualität des Qualitätsmanagements – Nutzung empirischer Daten für die Weiterentwicklung der Qualität von Rehaeinrichtungen. Praxis Klinische Verhaltensmedizin und Rehabilitation, Heft 103, 31, 196-210.

Links

Studienprotokoll