Evaluation des Kardiologischen Rehabilitations-Nachsorge-Programms KARENA 

Finazierung: öffentlich/DRV Rheinland-Pfalz Finanzierung/Eigenfinanzierung

Projektleiter: Dr. Jürgen Schmidt, Dipl.-Psych David Kriz (GfQG), Dr. Michael Keck (Drei-Burgen-Klinik Bad Münster)

Projektleiter-EMail: schmidt@gfqg.de, kriz@gfqg.de, michael.keck@drv-rlp.de

Laufzeit: 01.07.2008 - 31.10.2010

Themen: Kardiologische Rehabilitation, Nachsorge, KARENA, Evaluation, Katamnese

Hintergrund

Für die nachhaltige Sicherung des Ergebnisses einer Rehabilitationsmaßnahme sind v.a. auch gesundheitsbezogene Verhaltens- und Lebensstiländerungen erforderlich. Bei kardiologischen Krankheitsbildern sind dies vor allem die Vermeidung oder Verringerung von Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht, fettreiches Essen, Bluthochdruck oder Stress. Eine zentrale Rolle für die langfristige Aufrechterhaltung von Behandlungserfolgen in der kardiologischen Rehabilitation kommt der Schnittstellenoptimierung zwischen den verschiedenen Rehabilitationsphasen zu, vor allem dem Transfer in den Alltag. Zur Verstetigung des in der stationären Rehabilitation gelernten Verhaltens bzw. zur Umsetzung der dort vorbereiteten Verhaltensvorsätze in den Alltag sind bei einem Teil der Patienten auch nach der stationären Maßnahme Hilfen erforderlich, wenn nicht die erreichten positiven Behandlungsergebnisse im Alltag wieder nivelliert werden sollen. Hierzu haben sich inzwischen eine Reihe von Nachsorgekonzepten und Modellen für unterschiedliche Indikationsgruppen und für unterschiedliche Settings entwickelt (DRV, 2007).

Das Programm zur Kardiologischen Rehabilitations-Nachsorge KARENA stellt ein ambulantes Behandlungsangebot für Patienten nach einer stationären kardiologischen Rehabilitationsmaßnahme in der Drei-Burgen-Klinik Bad Münster am Stein dar. Hierbei handelt es sich um zwei ganztätige "Auffrischungskurse" jeweils ein halbes und ein Jahr nach Entlassung. Voraussetzung zur Aufnahme in dieses Modell ist die Teilnahme an einer ambulanten Selbsthilfegruppe (z.B. Herzsportgruppe) sowie eine noch oder wieder vorhandene Leistungsfähigkeit für mindestens 6 Stunden täglich. Das Programm soll den bereits eingetretenen Reha-Erfolg weiter verbessern und nachhaltig sichern. Es soll eine Hilfestellung für die praktische Umsetzung des in der Reha erlernten Wissens über einen gesunden Lebensstil sein. Eine Evaluation hierzu steht allerdings noch aus.

Ziele und Fragestellungen

Die Evaluationsstudie zum in der Drei-Burgen-Klinik Bad Münster am Stein durchgeführten KARENA-Programm soll im Sinne einer Piloterhebung Rückschlüsse auf die erzielten Ergebnisse aus Patientensicht erlauben.

Methodik

Alle Patienten der Drei-Burgen-Klinik, denen aufgrund der Auswahlkriterien die Teilnahme am KARENA-Programm angeboten wurde und die zum ersten Nachsorge-Termin erschienen, wurden in die Studie aufgenommen. Neben der medizinischen Dokumentation der Krankenakte sowie des Entlassungsberichts wurden zusätzliche Fragebogen zu den beiden KARENA-Zeitpunkten sowie 1 Jahr nach Entlassung aus der Klinik (d.h. auch 1/2 Jahr nach Beendigung der zweiten und letzten KARENA-Einheit). Erfasst wurden u.a.

  • demographische Variablen
  • erkrankungsrelevante Variablen, wie z.B. Diagnosen, Laborwerte
  • Risikofaktoren
  • sozialmedizinische Daten
  • Bewertung des Nutzens und des Ergebnisses der KARENA

 

Vorgestellt wird eine aus zwei Refresher-Veranstaltungen bestehende KARENA-Maßnahme. Die Nachsorgetermine liegen drei und sechs Monate nach der stationären/ambulanten Rehabilitation. Inhalte der Nachsorge sind medikamentöse Behandlung, Ernährungsschulung, psychosoziale Momente sowie Bewegungstherapie und berufliche Reintegration. Nach jeweils zwei Vorträgen haben die Teilnehmer Gelegenheit, im Einzelgespräch nach Möglichkeit mit ihrer Partnerin individuelle Problemlagen mit den Therapeuten zu erörtern und Lösungswege zu erarbeiten.

Ergebnisse

In der postalischen Nachbefragung wurden N = 263 KARENA-Teilnehmern (1 Jahr nach Entlassung aus der Klinik) angeschrieben, die Rücklaufquote betrug 57 %. Die Katamnesebefunde der KARENA-Teilnehmer (N=150) werden mit methodisch äquivalent erhobenen Katamnesebefunden von kardiologischen Rehabilitanden ohne Nachsorgemaßnahme (N=134) verglichen.

Zwischen den Vergleichsgruppen zeigen sich keine Unterschiede bezüglich Geschlecht, AU-Zeiten vorher, Arztbesuche vorher und Problembelastetheit. 35,4 % der KARENA-Teilnehmer nahmen an einer und 64,6 % an beiden Veranstaltungen teil.

Zwischen den Vergleichsgruppen zeigen sich keine Unterschiede bezüglich Geschlecht, Alter und Beschwerdenbelastetheit (Art und Umfang der gesundheitlichen Probleme). Die KARENA-Stichprobe besteht aus 89,9% Männern und 10,1% Frauen. In der Regel erfolgte die Entlassung noch arbeitsunfähig (74,7%). 34,3% der KARENA-Teilnehmer nahmen an einer Nachsorgeveranstaltung und 65,7% an beiden Veranstaltungen teil. 55,7% der Befragten haben in der Nachbefragung den Eindruck, dass das KARENA-Nachsorgeprogramm eine wirksame Hilfe dabei ist, nach einem stationären Rehabilitationsaufenthalt nicht wieder schnell in alte, ungesunde Verhaltensweisen zurück zu verfallen. 40.2% sind teilweise dieser Meinung, nur 4,1% äußern sich negativ. 75,5% sehen einen deutlichen oder großen persönlichen Nutzen des Nachsorgeprogramms.

Die KARENA-Teilnehmer zeigten in den meisten überprüften Kriterien bessere bzw. günstigere Ergebnisse als die Vergleichspatienten. Für beide Gruppen zeigen sich im Vorher-Nachher-Vergleich (1 Jahr vor versus 1 Jahr nach der stationären Re-ha) Verringerungen der Krankenhausaufenthalte (Anzahl der Wochen; hierbei ist der Unter-schied aber nur für die KARENA-Teilnehmer statistisch bedeutsam). Bei beiden Gruppen können hingegen keine Reduktionseffekte bei AU-Zeiten und bei Arztbesuchen beobachtet werden.

Diskussion und Ausblick

Die dargestellten Ergebnisse sind erfolgversprechend und werden auch hinsichtlich eines möglichen Bias diskutiert. Alles in Allem weisen die Daten auf die Wichtigkeit poststationärer Nachschulungsprogramme hin. Derartige Maßnahmen sollten vermehrt in das Rehabilitationsgeschehen Eingang finden.

Publikationen

Keck, M., Nübling, R. & Schmidt, J. (2011). Ergebnisse des KARENA-Nachsorgeprojekts (Kardiologische Reha-Nachsorge).DRV-Schriften, Band 93 (S. 388-389). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.