Herzgruppen in Rheinland-Pfalz – Landesweite Befragung der TeilnehmerInnen

Finanzierung: öffentlich/Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen DGPR, Landesverband Rheinland-Pfalz

Projektleiter: Dr. Michael Keck (Drei-Burgen-Klinik Bad Münster), Peter Ritter (DGPR), Dr. Jürgen Schmidt (GfQG)

Projektleiter-EMail: michael.keck@drv-rlp.de, info@rheinland-pfalz.dgpr.de, schmidt@gfqg.de,

Laufzeit: 01.05. - 31.07.2008

Themen: Herzgruppen, kardiologische Rehabilitation, Nachsorge, Patientensicht

Hintergrund

Ambulante Herzgruppen spielen in der Phase III der kardiologischen Rehabilitation eine bedeutende Rolle. Derzeit existieren bundesweit mehr als 6.600 ambulante Herzgruppen, in denen mehr als 110.000 Patienten ärztlich überwacht körperlich aktiv sind (Bjarnason-Wehrens et al., 2006). Organisatorisch werden Herzgruppen von den Landesorganisationen der DGPR betreut und unterstützt. So sind gegenwärtig beim Landesverband Rheinland-Pfalz 329 Herzgruppen mit knapp 6.000 Teilnehmern registriert. Zur Qualitätssicherung hat der Landesverband in den Jahren 2001/2002 und 2006/2007 systematische Vor-Ort-Visitationen durch erfahrene Herzgruppenärzte durchgeführt (Keck, 2003; Keck et al., 2008). Um zusätzlich auch die Teilnehmerperspektive transparent zu machen, hat der Landesverband im 3. Quartal 2008 erstmalig ein Pilotprojekt zur systematischen (anonymen) schriftlichen Teilnehmerbefragung durchgeführt.

Ziele und Fragestellungen

Ziel war es, die festgelegten Qualitätsstandards zu überprüfen, mögliche Defizite zu

Methodik

Eingesetzt wurde ein 8-seitiger Fragebogen mit 150 Items, der gemeinsam von der Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen und von Kardio-Experten des Landesverbandes entwickelt wurde. Der Fragebogen gliedert sich in vier Abschnitte (A. Angaben zum Gesundheitszustand vor Eintritt in eine Herzgruppe, B. Fragen zur derzeitigen Herzgruppe, C. Angaben zum gegenwärtigen Gesundheitszustand und zu bisherigen Behandlungsmaßnahmen, D. Angaben zur Person). Aus dem Bestandsregister wurden für die Befragung nach Zufall 26 Standorte mit insgesamt 81 Herzgruppen und 1396 Teilnehmer/innen ausgewählt. Die jeweiligen Übungsleiter erhielten vom Landesverband eine entsprechende Anzahl von Fragebögen zugeschickt (einschließlich eines Informationsblatts für die Teilnehmer/innen), verbunden mit der Bitte, diese an die Teilnehmer/innen ihrer Gruppen auszuhändigen und die ausgefüllten Bögen an den Landesverband zurückzusenden.

Ergebnisse

Stichprobe: Von den 1396 ausgegebenen Fragebögen waren insgesamt n=565 ausgefüllt zurückgeschickt worden, was einer Rücklaufquote von 40,5% entspricht. 73 % der befragten Teilnehmer waren Männer. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer/innen lag bei 68 Jahren (SD = 8,3), d.h. die große Mehrzahl war über 60 Jahre alt (83%). Unter 50-jährige waren sehr selten (3,3 %). 65%  der Teilnehmer/innen hatten einen Hauptschulabschluss. 46% waren zuletzt Angestellte, 26%  Arbeiter (zum Zeitpunkt der Befragung waren jedoch fast 80% der Teilnehmer/innen Rentner).

Herzgruppenbezogene Merkmale: 56% der befragten Teilnehmer/innen gehörten der Herzgruppe bereits über 3 Jahre an (23% bereits über 10 Jahre). Gründe für den Eintritt waren überwiegend eine Empfehlung des Hausarztes (57 %) und / oder eine Empfehlung einer Reha-Einrichtung (56 %). Die derzeitige Herzgruppe hatte zumeist eine Stärke von 11-15 Teilnehmer/innen (39%) bzw. von 16-20 Teilnehmer/innen (35%). In 77% der Fälle traf sich die Herzgruppe in der Regel 1 x pro Woche, in 23% der Fälle 2 x pro Woche. Über 60% der Teilnehmer/innen hatten bereits über 100 Übungs-/Trainingstermine besucht. Bei 45% der befragten Teilnehmer/innen wurde die derzeitige Teilnahme (noch) durch einen Kostenträger gefördert, 51% waren Selbstzahler.

Zufriedenheit / persönlicher Nutzen / Bewertungen der Herzgruppe: 98% der Antworter waren alles in allem mit ihrer derzeitigen Herzgruppe sehr zufrieden (55%) bzw. zufrieden (43%). 40% waren der Meinung, dass die Teilnahme ihnen sehr viel gebracht habe („großer Nutzen“), weitere 56% sehen einen „deutlichen Nutzen“, lediglich 4,1% sprachen von einem geringen bzw. keinen Nutzen. Bei der Bewertung von 18 Aspekten der Herzgruppe nach dem Schulnotensystem (1 = sehr gut bis 6 = ungenügend) variierten die Mittelwerte zwischen 1,55 („fachliche Kompetenz des/der Übungsleiter/s“) und 2,96 („Psychologische Betreuung“), wobei 9 von 18 Mittelwerte unter 2,0 liegen. In der Gesamtschau aller bisher wegen der Herz-Kreislauf-Erkrankung in Anspruch genommenen Behandlungsmaßnahmen bewerteten insgesamt 92% der Antworter die Herzgruppe als sehr wichtig (48%) oder eher wichtig (44%).

Wahrgenommene gesundheitliche Veränderungen: Die große Mehrheit der Teilnehmer/innen berichtete von positiven Wirkungen der Herzgruppenteilnahme: 94 % sahen eine Verbesserung ihres Wohlbefinden, 88,4 (72,8 %) eine Verbesserung ihrer körperlichen (psychischen) Belastungsfähigkeit. In quasi-indirekten Veränderungsmessungen zeigen sich hochsignifikante Verbesserungen der körperlichen und psychischen Verfassung und des Gesundheitszustandes (mit ES zwischen 0,33 und 0,44).

Zusammenfassung: Die an der Befragung teilnehmenden Mitglieder zufällig ausgewählter Herzgruppen zeigen in der Gesamtschau ein sehr hohes Maß an Zufriedenheit mit ihren Gruppen und berichten mehrheitlich von positiven gesundheitlichen Auswirkungen. Zugleich zeigen sich aber auch einige Aspekte, die auf Verbesserungspotenziale hinweisen könnten (z. B. Zusatzprogramm, psychologische Betreuung, Mitbeteiligung von Angehörigen, Gruppengröße).

Die Autoren plädieren dafür, dass regelmäßige TeilnehmerInnenbefragungen zukünftig fester Bestandteil der Qualitätssicherung sein sollten. Methodenkritisch muss allerdings festgestellt werden, dass die Rücklaufquote (bisher) in der Pilotstudie unter den Erwartungen geblieben ist. Ansatzpunkte für einen höheren Rücklauf werden zukünftig insbesondere in einer verbesserten Motivierung zur Teilnahme und in einer Kürzung des Fragebogens gesehen.

Publikationen

Schmidt, J., Nübling, R., Keck, M., Ritter, P., Krönig, B., Stahlheber, R. (2009). Herzgruppen in Rheinland-Pfalz – Erste Ergebnisse einer TeilnehmerInnenbefragung. DRV-Schriften, Band 83 (S. 381-383). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Keck, M., Nübling, R. & Schmidt, J. (2008). Ergebnisse der Re-Zertifizierung von Herzgruppen in Rheinland-Pfalz. DRV-Schriften, Band 77 (S. 436-437). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Schmidt, J., Nübling, R., Kriz, D., Keck, M., Ritter, P. (2009). Qualitätsmerkmale von Herzgruppen in Rheinland-Pfalz – Ergebnisse wiederholter Überprüfungen durch den Landesverband. Prävention Rehabilitation, 21, 51-60.

Schmidt, J., Keck, M., Ritter, P., Krönig, B., Stahlheber, R. & Nübling, R. (2011). Herzgruppen in Rheinland-Pfalz – Ergebnisse der Befragungen von Teilnehmern und Gruppenleitern. Prävention Rehabilitation, 23, 143-155.