Landesweite Befragung von Herzgruppenleitern

Förderrahmen: öffentlich/Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen DGPR, Landesverband Rheinland-Pfalz

Projektleiter: Dr. Michael Keck (Drei-Burgen-Klinik Bad Münster), Peter Ritter (DGPR), Dr. Jürgen Schmidt (GfQG)

Projektleiter-EMail: michael.keck@drv-rlp.de, info@rheinland-pfalz.dgpr.de, schmidt@gfqg.de

Laufzeit: 01.03.2010 - 30.09.2010

Themen: Herzgruppen, kardiologische Rehabilitation, Nachsorge, Sicht der Herzgruppenleiter

Hintergrund

Herzgruppen stellen in Deutschland einen wichtigen und ergänzenden Baustein in der kardiologischen Rehabilitation der Phase III dar, der allerdings nach wie vor nur von einem eher geringen Teil der Zielgruppe tatsächlich genutzt wird. Im ersten Jahr nach Abschluss der Phase II Rehabilitation nehmen zumeist nur 20-30 % der Patienten die Teilnahme an einer Herzgruppe auf. Von 1977 bis 2009 steigerte sich die Anzahl der Herzgruppen um 4500 %. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz- und Kreislauferkrankungen e.V. (DGPR) gibt es ca. bundesweit ca. 6000 ambulante Herzgruppen mit mehr als 100.000 Teilnehmern. Betreut und angeleitet werden diese Gruppen von entsprechend qualifizierten übungsleitern und mehr als 7000 ärzten, die diese Aufgabe mehrheitlich ehrenamtlich ausüben. Unter dem Dachverband der DGPR sind die Herzgruppen-Träger in 16 Landesverbänden organisiert, welche die Vertretung der Herzgruppen auf Landesebene übernehmen. So waren z.B. allein beim Landesverband Rheinland-Pfalz im Jahr 2009 insgesamt 321 Herzgruppen mit knapp 6000 Teilnehmern registriert, die von 334 übungsleitern/innen und 592 Herzgruppenärzten/innen betreut wurden. Zur Qualitätssicherung hat der Landesverband in den Jahren 2001/2002 und 2006/2007 bereits systematische Vor-Ort-Visitationen durch erfahrene Herzgruppenärzte durchgeführt (Keck, 2003; Keck et al., 2008; Schmidt et al., 2009). Ein weiterer bedeutender Faktor ist die subjektive Sicht bzw. empfundene Qualität der Herzgruppenarbeit wie sie von den Teilnehmer/innen und Herzgruppenleiter/innen erlebt wird. Hierzu wurde 2008 erstmalig eine systematische (anonyme) schriftliche Teilnehmerbefragung [hier link zu Seite TN-Befragung einsetzten] und 2010 eine Befragung von Herzgruppenleitern durchgeführt. Systematische Studien, welche die Teilnehmer- bzw. Leiterbezogene Sichtweise zum Thema Herzgruppen zum Gegenstand haben (z. B. die Bewertung der Herzgruppenarbeit, erlebte Effekte, Nutzeneinschätzung) findet man in der Literatur bisher nur vereinzelt.

Ziele und Fragestellungen

Ziel war es, die Informationen über Bedingungen der Strukturqualität (Qualifikation, Erfahrung der Herzgruppenleiter) sowie Qualitätsbeurteilungen aus Sicht der übungsleiter zu erhalten.

Methodik

Durchgeführt wurde eine freiwillige, anonymisierte schriftliche Befragung, in die alle 132 Träger bzw. Standorte in Rheinland-Pfalz einbezogen wurden. Zielgruppe der Befragung waren einerseits die Herzgruppen-Verantwortlichen (HGV) bei den Trägern bzw. Standorten (die dort im Regelfall gleichzeitig auch als übungsleiter oder Herzgruppenarzt tätig waren), andererseits die übungsleiter (üL) und die Herzgruppenärzte (HGä). Eingesetzt wurden zwei se-parate Fragebögen, die gemeinsam von der Gesellschaft für Qualität im Gesundheitswesen und von Kardio-Experten des Landesverbandes entwickelt wurden und die sich hinsichtlich der Fragenbereiche für üL und HGä überschnitten. Zur Befragung der üL und der HGä wurde ein 4-seitiger Fragebogen, zur Befragung der Herzgruppen-Verantwortlichen (HGV) ein erweiterter 8-seitiger Fragebogen verwendet. Der Bogen für die HGV umfasste 5 Abschnitte:

  • Angaben zur Person
  • Angaben zum Trägerverein und zur Struktur der Herzgruppenbetreuung
  • Fragen für übungsleiter/-innen
  • Fragen für Herzgruppenärzte/-ärztinnen
  • Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten

Die jeweiligen HGV erhielten vom Landesverband eine entsprechende Anzahl von Fragebögen einschließlich eines Informationsblatts zugeschickt, verbunden mit der Bitte, diese an die übungsleiter und Herzgruppenärzte/-innen auszuhändigen und die ausgefüllten Bögen an den Landesverband zurückzusenden.

Ergebnisse

Die befragten Herzgruppen-Verantwortlichen (N = 67; Rücklaufquote: 50,8 %; 47,8 % Männer; durchschnittlich 57 Jahre alt) waren in der großen Mehrheit (87,7 %) mit ihrer Tätigkeit im Trägerverein zufrieden bzw. sehr zufrieden. Knapp 85 % der befragten Herzgruppen-Verantwortlichen gaben an, dass es in den letzten Jahren keine Notfälle in den Herzgruppen gegeben hatte. Jeweils knapp die Hälfte der Befragten berichtete weiterhin, dass die durchschnittliche Zahl der geförderten Teilnehmer nach Inkraft-Treten der Rahmenvereinbarung 2003 zurückgegangen sei und dass der übungsbetrieb derzeit nicht kostendeckend durchgeführt werde könne. Mehrheitlich zufrieden mit ihrer Tätigkeit zeigten sich auch die befragten übungsleiter (N = 143: Rücklaufquote: 44,9 %; 76,9 % Frauen; durchschnittlich 51,1 Jahre alt; knapp über 50 % waren bereits mehr als 10 Jahre in dieser Funktion tätig) und Herzgruppenärzte (N = 170; Rücklaufquote: 28,9 %; 69,4 % Männer; durchschnittlich 51,3 Jahre alt; über die Hälfte ebenfalls schon über 10 Jahre in dieser Funktion tätig). 94 % der übungsleiter verfügten über die Qualifikation ‚Sport in Herzgruppen’, über 40 % hatten darüber hinaus weitere rehabilitationsorientierte Qualifikationen. 44 % der Herzgruppenärzte waren Allgemeinmediziner, 45 % waren Internisten, 9 % ärzte in Weiterbildung und 12 % wiesen eine andere Qualifikation auf (insgesamt 2/3 Vertragsärzte). Die Kooperation zwischen übungsleitern und Herzgruppenärzten wurde wechselseitig mehrheitlich positiv beurteilt, ein Aspekt, der von den ärzten allerdings signifikant günstiger eingeschätzt wurde.

Publikationen

Keck, M. (2003): Überprüfung und Zertifizierung der Herzgruppen: Pilotprojekt. Herzmedizin, 20, 2, 115-116.

Keck, M., Nübling, R. & Schmidt, J. (2008). Ergebnisse der Re-Zertifizierung von Herzgruppen in Rheinland-Pfalz. DRV-Schriften, Band 77 (S. 436-437). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Schmidt, J., Nübling, R., Keck, M., Ritter, P., Krönig, B., Stahlheber, R. (2009). Herzgruppen in Rheinland-Pfalz – Erste Ergebnisse einer TeilnehmerInnenbefragung. DRV-Schriften, Band 83 (S. 381-383). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Schmidt, J., Nübling, R., Kriz, D., Keck, M., Ritter, P., Krönig, B. & Stahlheber, R. (2011): Herzgruppen in Rheinland-Pfalz - Ergebnisse einer Befragung von Herzgruppen-Leitern. DRV-Schriften, Band 93 (S. 390-391). Berlin: Deutsche Rentenversicherung Bund.

Schmidt, J., Nübling, R., Kriz, D., Keck, M., Ritter, P. (2009). Qualitätsmerkmale von Herzgruppen in Rheinland-Pfalz – Ergebnisse wiederholter Überprüfungen durch den Landesverband. Prävention Rehabilitation, 21, 51-60.

Schmidt, J., Keck, M., Ritter, P., Krönig, B., Stahlheber, R. & Nübling, R. (2011). Herzgruppen in Rheinland-Pfalz – Ergebnisse der Befragungen von Teilnehmern und Gruppenleitern. Prävention Rehabilitation, 23, 143-155.