Patientenfragebogen zur Erfassung der Rehamotivation

Der PAREMO erfasst über sechs Skalen zentrale Aspekte der Reha-Motivation. Er kann im Rahmen der Rehabilitationsdiagnostik, der Behandlungsplanung und in der Forschung eingesetzt werden.

Eine Bitte, bevor Sie den PAREMO downloaden:  anders als die meisten anderen gebräuchlichen psychometrischen Verfahren stellen wir Ihnen den PAREMO hier kostenlos zur Verfügung. Das Instrument wurde mit öffentlichen Forschungsgeldern, also auch Ihren Steuern, entwickelt und soll deshalb jedem öffentlich zur Verfügung stehen, der es für seine eigenen Forschungsarbeiten oder für die (Routine-)Diagnostik seiner Einrichtung benötigt (kommerzielle Nutzungen ausgeschlossen)

Weil wir das Instrument ständig weiterentwickeln, insbesondere seine Normierung auf eine noch breitere Grundlage stellen wollen, haben wir die Bitte an Sie: stellen Sie uns Ihre – anonymisierten – PAREMO-20-Daten zur Verfügung, inkl. einer kurzen Beschreibung, in welchem Rahmen sie erhoben wurden. Wir sammeln die Daten hierzu fortlaufend, aktuell liegt eine Stichprobe von über 10.000 Rehapatienten aller wichtigen Hauptindikationen vor. Helfen Sie bitte mit, diese Datenbasis zu erweitern. Damit können wir Ihnen künftig noch bessere Referenzdaten anbieten.

Autoren
Rüdiger Nübling, Kerstin Hafen, David Kriz, Judith Herwig, Nele Töns, Jürgen Bengel

Quelle
Nübling, R., Kriz, D., Herwig, J., Wirtz, M. Fuchs,S., Hafen, K. et al. (2005). Der Fragebogen ist frei verfügbar (siehe Downloadmöglichkeit unten)

Art des Verfahrens
Selbstbeurteilungsverfahren („Paper-Pencil“)

Technische Informationen
20 Items, Bearbeitungszeit: 5 bis 10 Minuten, Handauswertung: 10 Minuten, automatisierte Auswertung in Vorbereitung.

Theoretischer Hintergrund
Der PAREMO wurde konzipiert unter Berücksichtigung des kleinsten gemeinsamen Nenners verschiedener motivationaler Theorien und Modelle: Dem Verständnis von Motivation als kognitiv und/oder affektiv vermittelten Bedürfnissen, die als Auslöser von Verhalten wirken. Er versucht, die wesentlichen Merkmale der unterschiedlichen Modelle in sich zu vereinen und deckt ein möglichst breites Spektrum motivationaler Aspekte ab (Hafen et al., 2000). Ausgeklammert wurden psychoanalytische oder soziobiologische Ansätze, die Motivation als unbewusste oder biologisch-homöostatische Determinanten des Verhaltens betrachten. Ebenso wurde auf die Formulierung einzelner Phasen verzichtet.

Entwicklung des Tests
Die Entwicklung erfolgte nach den Standards der klassischen Test-theorie. Durch Literaturanalyse wurden zunächst 14 für die Reha-Motivation relevante Dimensionen ermittelt, die Grundlage für die Rohversion mit 150 Items waren. Diese wurde an einer konsekutiven Stichprobe (N=256) kardiologischer, orthopädischer und psychosomatischer Reha-Patienten item- und faktorenanalytisch getestet und auf eine erste Version mit 46 Items gekürzt. Faktorenanalytisch ergaben sich sechs weitgehend voneinander unabhängige Skalen (Varianzaufklärung ca. 50%), deren testtheoretischen Kennwerte als gut bezeichnet werden können (Hafen et al., 2001). Diese Version wurde einer zweiten Stichprobe (N=882) von Reha-Patienten gleicher Indikation vorgelegt. Weitere Analysen bestätigten das sechsfaktorielle Modell und reduzierten den Fragebogen auf 38 Items (Nübling et al., 2004).
In der zweiten Entwicklungsstufe (Reha-Patienten derselben Indikationsgruppen; N=465) wurden die Skaleninterkorrelationen reduziert und das Konstrukt der Reha-Motivation stärker von dem der Psychotherapiemotivation abgegrenzt. Ziel einer dritten Entwicklungsstufe war die Erhöhung der diskriminanten Validität sowie eine weitere Reduktion der Itemzahl. Darüber hinaus wurde der PAREMO normiert und die Konstruktvalidität, Retest-Reliabilität sowie die prädiktive Gültigkeit überprüft. In einer multizentrischen Studie wurden Rehabilitanden aus fünf Indikationsgebieten befragt (N=3568, davon 20% Orthopädie, 10% Kardiologie, 37% Psychosomatik, 19% Onkologie, 14% Pneumologie). Faktorenanalytisch ergab sich wiederum eine Sechs-Faktoren-Lösung, die unter Beibehaltung von befriedigenden Reliabilitätskennwerten (s.u.) nochmals auf 20 Items reduziert wurde (Nübling et al., 2006, Nübling & Bengel, in press; Kriz et al., 2006). Diese Form stellt die (vorläufige) Endform des PAREMO dar.

Aufbau und Auswertung
Die Skalenbildung des PAREMO erfolgt durch Aufsummieren der Itemrohwerte (Kodierung 1=“stimmt nicht“ bis 4=„stimmt“). Fünf Items (Item 4, 13, 17, 18, 20) werden aufgrund ihrer negativen Ladungen vor der Summation umkodiert. Hohe Werte ste-hen für eine hohe Ausprägung auf der jeweiligen Skala. Die Skalen im Einzelnen (zu den I-tems vgl. Fragebogen; zur Beschreibung der Skalen vgl. die Kurzfassung des Manuals):

• Skala 1 – Seelischer Leidensdruck (a=.91; Item 11, 15, 17)
• Skala 2 – Körperbedingte Einschränkungen (a=.82; Item 1, 5, 9, 16)
• Skala 3 – Soziale Unterstützung und Krankheitsgewinn (a=.71; Item 2, 7, 14, 19)
• Skala 4 – Änderungsbereitschaft (a=.83; Item 3, 6, 8)
• Skala 5 – Informationsstand bzgl. Reha-Maßnahmen (a=.74; Item 4, 13, 18)
• Skala 6 – Skepsis (a=.67; Item 10, 12, 20)

Objektivität
Standardisierte Durchführung und Auswertung

Reliabilität
Für alle Versionen konnten gute bis befriedigende Kennwerte ermittelt werden. Die interne Konsistenz (Cronbach’s Alpha) lag für die einzelnen Stichproben zwischen .62 und .93, die Retest-Reliabilität zwischen .74 und .92 (Nübling et al., 2005, Nübling & Bengel, 2008, Kriz et al., 2006).

Faktorielle Validität
Die 6-Faktorenstruktur konnte in den unterschiedlichen Stichproben wiederholt bestätigt werden. Eine konfirmatorische Überprüfung (mit Hilfe des Analysepro-gramms AMOS) ergab eine Bestätigung dieser Struktur (Hafen et al., 2006; Nübling et al., 2005; Kriz et al., 2006).

Skaleninterkorrelationen
Die Interkorrelationen der Skalen liegen für die zuletzt vorgelegte 20-Item-Version des PAREMO zwischen .01 („Seelischer Leidensdruck“ und „Körperbedingte Einschränkungen“) und .38 („Seelischer Leidensdruck“ und „Änderungsbereitschaft“ (r=.38; Kriz et al., 2006).

Prognostische Validität
Für die frühere 38-Item-Version des PAREMO liegen zahlreiche Hinweise zur prognostischen Validität vor. Insbesondere ergaben sich Zusammenhänge mit der über direkte Veränderungsmessung erfassten Ergebnisqualität, wobei diese für den Entlasszeitpunkt deutlich stärker ausfielen als für den Katamnesezeitpunkt (vgl. Hafen et al., 2006; Nübling et al., 2004). Für den 20-Item-Version des PAREMO liegen hierzu erst wenige Daten vor (Nübling et al., 2005; Nübling & Bengel, in press; Kriz et al., 2006).

Konstruktvalidität
Zur Konstruktvalidität wurden zahlreiche hypothesenkonforme Befunde ermittelt, z.B. Zusammenhänge mit Psychotherapiemotivation, Lebenszufriedenheit, sozialer Unterstützung, Depressivität, Ängstlichkeit, rehabilitationsspezifischen Erwartungen, dem subjektiven Gesundheitszustand sowie mit der Fremdeinschätzung der Motivation durch den Arzt/Therapeuten (Kriz et al., 2006; Nübling et al., 2006; Nübling & Bengel, 2008).

Normen
Für die sechs Faktoren wurden auf der Grundlage der Stichprobe von N=3568 Patienten alters-, geschlechts- und indikationsspezifische Normwerte berechnet (Normtabellen in Nübling et al., 2005).

Literatur
Hafen, K., Bengel, J., Nübling, R. & Jastrebow, J. (2000). Konzept und Dimensionen der Reha-Motivation (PA-REMO). Prävention-Rehabilitation, 12, 1-10. Hafen, K., Jastrebow, J., Nübling, R. & Bengel, J. (2001). Entwicklung eines Patientenfragebogens zur Erfassung der Reha-Motivation (PAREMO). Die Rehabilitation, 40, 3-11. Hafen, K., Bengel, J. & Nübling, R. (2006). Der Patientenfragebogen zur Erfassung der Reha-Motivation PARE-MO. In R. Nübling, F. Muthny & J. Bengel (Hrsg.), Reha-Motivation und Behandlungserwartung (S. 141-160). Bern: Huber. Kriz, D., Wirtz, M., Herwig, J., Töns, N., Hafen, K., Nübling, R & Bengel, J. (2006). Weiterentwicklung und Normie-rung des PAREMO. In R. Nübling, F. Muthny & J. Bengel (Hrsg.), Reha-Motivation und Behandlungserwartung (S. 161-178). Bern, Huber. Nübling, R. & Bengel, J. (2008). Patientenfragebogen zur Messung der Rehabilitationsmotivation - PAREMO. In Bengel, J., Wirtz, M. & Zwingmann,. C. (Hrsg.): Diagnostische Verfahren in der Rehabilitation (S.101-104). Göttingen, Hogrefe. Nübling, R., Hafen, K., Jastrebow, J., Körner, M., Löschmann, C., Rundel, M., Schmidt, J., Wirtz, M. & Bengel, J. (2004). Indikation zu psychotherapeutischen und psychosozialen Maßnahmen im Rahmen stationärer medizinischer Rehabilitation. Regensburg: Roderer. Nübling, R., Kriz, D., Herwig, J., Wirtz, M., Fuchs, S., Hafen, K., Töns, N. & Bengel, J. (2005). Normierung des Patientenfragebogens zur Erfassung der Reha-Motivation PAREMO. Unveröff. Manuskript, Karlsruhe/Freiburg. Nübling, R., Muthny, F. A. & Bengel, J. (Hrsg.) (2006). Reha-Motivation und Behandlungserwartung. Bern, Huber.