Fragebogen zur Erfassung der Psychotherapiemotivation

Ziel des FPTM ist die Erfassung wesentlicher Aspekte der Psychotherapiemotivation. Das Selbstbeurteilungsverfahren mit 39 Items bzw. 6 Skalen ist teilweise psychoanalytisch orientiert (Leidensdruck, sekundärer Krankheitsgewinn), teilweise therapieschulenunabhängig (z.B. Hoffnung, Wissen). Er kann sowohl im Rahmen der Rehabilitationsdiagnostik bzw. zur Behandlungsplanung als auch im Rahmen von Forschungsprojekten eingesetzt werden.

Eine Bitte, bevor Sie den FPTM downloaden:  anders als die meisten anderen gebräuchlichen psychometrischen Verfahren stellen wir Ihnen den PAREMO hier kostenlos zur Verfügung. Das Instrument wurde mit privaten und öffentlichen Forschungsgeldern entwickelt und soll jedem öffentlich zur Verfügung stehen, der es für seine eigenen Forschungsarbeiten oder für die (Routine-)Diagnostik seiner Einrichtung benötigt (kommerzielle Nutzungen ausgeschlossen)

Weil wir das Instrument ständig weiterentwickeln, insbesondere seine Normierung auf eine noch breitere Grundlage stellen wollen, haben wir die Bitte an Sie: stellen Sie uns Ihre – anonymisierten – FPTM-Daten zur Verfügung, inkl. einer kurzen Beschreibung, in welchem Rahmen sie erhoben wurden. Wir sammeln die Daten hierzu fortlaufend, aktuell liegt eine Stichprobe von über 6.000 Patienten der psychosomatischen Rehabilitation vor. Helfen Sie bitte mit, diese Datenbasis zu erweitern. Damit können wir Ihnen künftig noch bessere Referenzdaten anbieten.

Autoren
Rüdiger Nübling, Holger Schulz

Quelle
Schulz, H., Nübling, R. & Rüddel, H (1995): Entwicklung einer Kurzform eines Fra-gebogens zur Psychotherapiemotivation. Verhaltenstherapie, 5, 89-95.

Vorgänger-/Originalversion
PMK von Nübling (1992)

Anwendungsbereich
Psychotherapie bzw. psychosomatische Rehabilitation, anwendbar bei Patienten ab etwa 16 Jahre

Art des Verfahrens
Selbstbeurteilungsverfahren („Paper-Pencil“)

Technische Informationen
39 Items, Bearbeitungszeit: ca. 10 Minuten, Handauswertung: 10 Minuten, automatisierte Auswertung in Vorbereitung

Theoretischer Hintergrund
Eine ausreichende Motivation zur psychotherapeutischen Behandlung wird als wichtige Voraussetzung für deren Verlauf und Ergebnis angesehen. Diese Auffassung wird durch eine Reihe empirischer Untersuchungen gestützt (vgl. z.B. Nübling, 1992, Nübling et al. 2006 siehe unten , Schneider et al., 1999, Schulz et al. 1995). Psychotherapiemotivation wird dabei meist als mehrdimensionales Konstrukt verstanden, das sehr unterschiedliche Aspekte zusammenfasst, u.a. Leidensdruck, Hoffnung, psychologisches Problemverständnis, Neugier, Änderungswunsch, Bereitschaft, Opfer zu bringen, aktive Teilnahme und Wissen genannt (vgl. zusammenfassend Hafen et al., 2000, 2006, Nübling et al. 2006a), je nach Autor auch Ursachenvorstellungen der Patienten über ihre Erkrankung sowie Behandlungserwartungen (z.B. Schneider, Basler & Beisenherz, 1989).  Im Rahmen der psychosomatischen/psychotherapeutischen Rehabilitation ist die Messung von Psychotherapiemotivation in folgenden Perspektiven von Bedeutung (Schulz et al., 2003): Die frühzeitige Erfassung der Psychotherapiemotivation (vor oder bei Behandlungsbeginn) stellt eine diagnostische Hilfe dar und kann die Identifikation „unmotivierter” Patienten und damit die Indikation verbessern. Unmotivierte Patienten können darüber hinaus spezifisch vorbereitet und/oder es können entsprechende, ggf. modifizierte Behandlungsangebote gemacht werden. Darüber hinaus ist die reliable und valide Messung wesentliche Voraussetzung für die empirische Beantwortung der Frage der Bedeutung der Therapiemotivation für die Vorhersage der Behandlungsergebnisse. Der FPTM ist geeignet für eine Statusdiagnostik vor bzw. bei Beginn einer psychotherapeutischen Behandlung.

Entwicklung des Tests
Die Vorform des FPTM wurde nach den Prinzipen der klassischen Testtheorie als „Fragebogen zur Erfassung der Psychotherapiemotivation und des Krankheitskonzepts PMK” an einer Patientenstichprobe einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik entwickelt. Der Fragebogenteil Psychotherapiemotivation umfasste 120 Items in zwei Halbformen (ausführlicher siehe Nübling, 1992). Schulz et al. (1995) entwickelten daraus eine Kurzform mit 39 Items, die in einer weiteren psychosomatischen Rehabilitationsklinik (Psychosomatische Klinik Bad Kreuznach) erprobt wurde. Dieser dann erstmals FPTM („Fragebogen zur Psychotherapiemotivation“) benannte Fragebogen wurde einer konsekutiven Stichprobe von n=225 Patienten vorgelegt. Der Eigenwertverlauf ergab 9 Faktoren mit einem Eigenwert > 1, der Scree-Tests (Cattell, 1966) legte eine Zahl von 6 Faktoren nahe.

Aufbau und Auswertung
Die 6 Skalen des FPTM wurden wie folgt benannt:

• Skala 1 – Psychischer Leidensdruck; LD (10 Items)
• Skala 2 – Hoffnung; HO (7 Items)
• Skala 3 – Verneinung psychischer Hilfsbedürftigkeit; VH (7 Items)
• Skala 4 – Wissen; WI (5 Items)
• Skala 5 – Initiative; IN (4 Items)
• Skala 6 – Symptombezogene Zuwendung durch andere; SZA (6 Items)

Jedes Item verfügt über vier Antwortalternativen (stimmt – stimmt eher – stimmt eher nicht – stimmt nicht), die jeweils mit 1-4 kodiert werden. Aus der Summe der Einzelitems wird der jeweilige Skalengesamtwert berechnet. Zwei der Skalen (VH und SZA) sind negativ gepolt.

Gütekriterien
Der FPTM wurde an mehreren größeren Stichproben der psychosomatischen Rehabilitation erprobt und überprüft (vgl. zusammenfassend Nübling et al. 2006b). Darüber hinaus wird eine auf 23 Items verkürzte Version an einer Stichprobe von ca. 4000 Patienten überprüft (Lang et al. 1999).

Objektivität
Standardisierte Durchführung und Auswertung

Reliabilität
Für die FPTM Skalen konnten in allen Studien bzw. Stichproben befriedigende bis sehr gute Kennwerte ermittelt werden. So lag die interne Konsistenz (Cronbachs Alpha) zwischen .68 (Skala WI) und .92 (Skala LD), sie war für die jeweiligen Skalen über alle Stichproben hinweg weitgehend vergleichbar (Nübling et al. 2006b).

Faktorielle Validität
Die faktorielle Struktur des FPTM wurde in allen mehreren großen Pa-tientenstichproben bestätigt (Nübling et al. 2006b). Die durch die Faktoren aufgeklärte Vari-anz lag zwischen 52.5%  und 61.3%. Die durchgeführten Faktorenanalysen (Varimax, orthogonal) ergaben eine Übereinstimmung von über 95% (nur eines von 39 Items wurde unterschiedlichen Faktoren zugeordnet). Die Reihenfolge der Faktoren nach ihrer Varianzauf-klärung variierte geringfügig.

Externe Validität 
Nübling (1992) berichtet signifikante Korrelationen der Originalskalen (PMK) mit der Fremdeinschätzung der „Psychotherapiemotivation” (5-stufiges Einzelrating durch den behandelnden Arzt bzw. Psychologen), die zwischen r=.31 und r=.19 lagen, eine Regressionsanalyse (En bloc, PMK-Skalen=UV, Fremdeinschätzung=AV) ergab R=.49 (R2adj =.190; vgl. Nübling, 1992, 132f); bei einer Reanalyse für den (kürzeren) FPTM lag die Prognose etwas darunter: R=.39 (R2adj =.12). Die substantiellen Zusammenhänge dieser frühen Studie konnte in aktuelleren Stichproben repliziert werden (Nübling et al., 2006b).

Weiterhin werden von Schulz et al. (1995) die substantielle Korrelationen mit einer modifizierten Fassung des FMP (Schneider et al. 1989) sowie Skalen des FPI, des GBB und des STAI berichtet. In einer weiteren, aktuelleren Studie (Schmidt et al., 2003) fanden sich ebenfalls eine Reihe substantieller Zusammenhänge mit Außenkriterien (vgl. auch Nübling et al. 2006).

Prognostische Validität
Vorhersage der Therapiedosis: In allen von Nübling et al. (2006b) berichteten Stichproben lagen substantielle Einzelkorrelationen mit der Therapiedosis vor. Dies gilt insbesondere für die Skalen Leidensdruck, Hoffnung und Wissen. Neben den Ein-zelkorrelationen wurden multiple Regressionsanalysen gerechnet (en bloc; UV: FPTM-Skalen; AV: Therapiedosis), die zwischen R=.28 und R=.47, die adjustierten Koeffizienten zwischen R2adj=.05 und R2adj =.20. Hierbei lieferten v.a. die Skalen Psychischer Leidensdruck, Hoffnung und Verneinung psychischer Hilfsbedürftigkeit einen substantiellen Bei-trag zur Aufklärung der Dosis-Varianz.

Vorhersage der Behandlungsergebnisse: Nübling et al. (2006b) berichten Ergebnisse der Vorhersage der Behandlungsergebnisse durch die FPTM-Statusmessung bei Aufnahme. Beispielhaft werden als Outcomekriterien die multiple Kriterienskala (vgl. Schmidt et al., 1987) BESS (5 Item-Sreeningscala, Veränderung von körperlicher und seelischer Verfassung, Allgemeinbefinden, Leistungsfähigkeit und Beschwerden; Cronbachs a = .95), die in mehreren Studien jeweils bei Entlassung und bei der 1-Jahres-Katamnese erhoben wurde. Die multiplen Korrelationen lagen bei Behandlungsende zwischen R=.28 und R=.48, der adjustierte Varianzanteil (R2adj) zwischen 5 und 21%, wobei in allen Studien die Skala Hoffnung einen bedeutsamen Teil der Vorhersage ausmachte. Dabei spielten die FPTM-Skalen im Vergleich mit anderen erhobenen Prädiktoren für die Vorhersage der Behandlungsergebnis-se eine herausragende Rolle (Nübling et al., 1998). Bzgl. der katamnestischen BESS-Ergebnisse ein Jahr nach Entlassung lagen die multiplen R liegen ähnlich wie zum Entlassungszeitpunkt zwischen R=.23 und R=.40 (R2adj bei signifikantem F zwischen 7 und 13%; (Nübling et al. 2006b).

Normen
Bislang nicht normiert.

Literatur
Hafen, K., Bengel, J., Jastrebow, J. & Nübling, R. (2000). Dimensionen der Reha-Motivation. Konzeptualisierung auf der Grundlage einer Literaturübersicht. Prävention und Rehabilitation, 12. 1-10.
Lang, K., Schulz, H., Lotz-Rambaldi, W. & Koch, U. (1999). Behandlungsabbruch als nicht gelungene Inanspruchnahme – Entwicklung eines Vorhersagemodells für den Bereich der stationären psychosomatischen Rehabilitation. Rehabilitation, 39, Suppl. 2, 160-166.
Nübling, R. (1992). Psychotherapiemotivation und Krankheitskonzept. Frankfurt, Verlag für Akademische Schrif-ten VAS.
Nübling, R., Schmidt, J., Wittmann, W.W. & Lamprecht, F. (1994). Die Bedeutung von Psychotherapiemotivation und Krankheitskonzept für die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Leistungen. Vortrag auf dem 39. Kongress der DGPs in Hamburg, 25.-29.9.1994.
Nübling, R., Schmidt, J, & Wittmann, W.W. (1998). Die Bedeutung von Psychotherapiemotivation und Krankheitskonzept für die Prognose längerfristiger Behandlungsergebnisse in der psychosomatischen Rehabilitation. DRV-Schriften Band 11, Frankfurt, VDR, 169-170.
Nübling, R., Hafen, K., Jastrebow, J., Schmidt, J. Bengel, J. (2000). Indikation zu psychotherapeutischen und psychosozialen Maßnahmen in der stationären Rehabilitation. In: Bengel, J. & Jäckel, W.H. (Hrsg.). Zielorientierung in der Rehabilitation. Regensburg, Roderer, 95-106.
Nübling, R, Schulz, H, Schmidt, J., Koch, U. & Wittmann, W.W. (2006). Fragebogen zur Erfassung der Psychotherapiemotivation (FPTM). In Nübling, R., Muthny, F. & Bengel, J. (Hrsg.), Reha-Motivation und Behandlungserwartung (S. 252-270). Bern, Huber.
Petry, J. (1993). Behandlungsmotivation. Weinheim, PVU.
Schmidt, J., Karcher, S., Steffanowski, A., Nübling, R., Wittmann, W.W. (2000). Die EQUA-Studie – Erfassung der Ergebnisqualität stationärer psychosomatischer Rehabilitationsbehandlungen. In: Bengel, J. & Jäckel, W.H. (Hrsg.). Zielorientierung in der Rehabilitation. Regensburg, Roderer, 109-118.
Schneider, W., Klauer, T., Janssen, P.L. & Tetzlaff, M (1999). Zum Einfluß der Psychotherapiemotivation auf den Psychotherapieverlauf. Nervenarzt, 70, 240-249.
Schneider, W., Basler, H.D. & Beisenherz, B. (1989). Fragebogen zur Messung der Psychotherapiemotivation (FMP). Weinheim, Beltz.
Schulz, H., Lang, K., Nübling, R. & Koch, U. (2003): Weiterentwicklung einer Kurzform des Fragebogens zur Psychotherapiemotivation – FPTM-23. Diagnostica, 49, 83-93.
Schulz, H., Nübling, R. & Rüddel, H. (1995). Entwicklung einer Kurzform eines Fragebogens zur Psychotherapiemotivation. Verhaltenstherapie, 5, 89-95.